VERBESSERTE HEILUNG UND BELASTBARKEIT NACH KNIEENDOPROTHESEN-OP

In der Klinik für Orthopädie hat sich seit 10 Jahren die Anzahl der Knieendoprothesen-Implantationen kontinuierlich erhöht. Mittlerweile werden jährlich 850 dieser Operationen durchgeführt, und wir gehören damit zu den Top 15 in Deutschland. Beidieser hohen Fallzahl besteht die Herausforderung darin, das individuell bestmögliche Operationsergebnis mit äußerst niedriger Komplikationsrate zu erreichen. Mit diesem Ziel wurde das „KnieFit“-Behandlungskonzept entwickelt. Für höchstmögliche Patientensicherheit erfolgt zudem seit 2013 jedes Jahr die Überprüfung unserer Ergebnisse durch die externen Gutachter des unabhängigen EndoCert-Verfahrens. Alle Daten werden regelmäßig veröffentlicht und sind damit für jedermann zugänglich.


WIE SIND DIE FAKTEN?


In Deutschland beträgt der Referenzwert von Komplikationen (Infektion, Thrombose) bei primären Knieendoprothesen-Operationen 3-5 Prozent Prozent. Bei uns liegt die Komplikationsrate bei nur 0,3 Prozent. Ursächlich dafür ist die konsequente Umsetzung vieler abgestimmter Einzelmaßnahmen des KnieFit-Konzepts unter Beteiligung von Orthopäden, Anästhesisten, speziell geschulten Schmerztherapeuten sowie den Mitarbeitern von Pflege, Physiotherapie/ Krankengymnastik, Ergotherapie und Sozialdienst.

Die Umsetzung des KnieFit-Konzepts beinhaltet folgende prä-, intra- und postoperative Maßnahmen:

  • Es gibt monatliche Patientenschulungen und spezielles Informationsmaterial über die organisatorischen Details des operativen Eingriffs. In Zusammenarbeit mit den Konsiliarärzten notwendiger Fachrichtungen werden alle Patienten optimal auf die Operation vorbereitet. Die Medikation wird individuell angepasst und eine präoperative Physiotherapie mit Gangschulung angeboten. Der Sozialdienst kümmert sich bereits vorab um eine reibungslose Abwicklung der Anschlussheilbehandlung (AHB). Diese kann, wenn gewünscht, wohnortnah in unserer DR. ERLER REHA am Kontumazgarten erfolgen.
     
  • Vor der Operation findet bei jedem Patienten ein Screening auf multiresistente Keime statt. Ein modernes Patient-Blood-Management hilft, den perioperativen Blutverlust zu minimieren. Dabei können auch der CellSaver oder Tranexamsäure zum Einsatz kommen. Ein kurzes Intervall des Nüchternseins vor der Operation (kein Essen bzw. Getränke) und das Legen von Blasenkathetern erst im Narkosevorbereitungsraum verringern das Stressempfinden vor der OP.
     
  • Bei jedem Patienten wird vor der Operation am Computer individuell das für ihn optimal passende Implantat geplant. Alle relevanten Parameter wie Achskorrektur, Resektionshöhen und -winkel sowie die Größe der Implantate liegen den Operateuren dann digital zum Operationszeitpunkt vor. Während der Operation kommen befundabhängig digitale Druckmesssensoren (VERASENSE®) zum Einsatz. Sie ermöglichen die Wiederherstellung der natürlichen Druckverhältnisse im operierten Knie.
     
  • Wegen kurzer Operationszeiten kommen ausnahmslos schonende Narkoseverfahren (Spinalanästhesie vor Masken bzw. Intubationsnarkose) zur Anwendung. Die Gabe einer infektionsvorbeugenden Medikation sowie Thromboseprophylaxe mittels Tabletten entspricht dem heutigen Standard. Um eine sehr frühe Mobilisation bereits am ersten Tag nach der Operation zu ermöglichen, verzichten wir auf Schmerzblöcke bzw. Schmerzkatheter am Bein. Stattdessen führen wir während der Operation eine spezielle lokale Infiltrationsanästhesie (LIA) im Knie durch und verzichten auf das Einlegen von Drainagen in das Gelenk. Für dieses Vorgehen liegen eindeutige positive wissenschaftliche Erkenntnisse vor.
     
  • Jeder Patient erhält für die ersten drei Tage postoperativ einen individuellen Applikator für die selbstständige medikamentöse Schmerztherapie mit ZALVISO®, einem sehr effektiven Schmerzmedikament. Außerdem werden alle Patienten täglich von unserem speziell geschulten Schmerzdienst betreut und die Medikation individuell angepasst.
     
  • Alle Patienten werden entweder am Abend des OP-Tages oder spätestens am nächsten Morgen mobilisiert. Neben dem Kreislauftraining ist die Aktivierung der Muskulatur dabei wichtigstes Ziel. Über eine passive Motorschiene, Muskelstimulationsgeräte und weitere muskelaktivierende Maßnahmen wird patientenindividuell entschieden. Thromboseprophylaxestrümpfe (ATS) gehören wegen der Effektivität moderner medikamentöser Thromboseprophylaxe nicht mehr zur postoperativen Routine, und der Verzicht darauf verbessert den Komfort deutlich.
     

VORTEILE UNSERES KNIEFITKONZEPTS

Alle Maßnahmen führen insgesamt zu verkürzten OP-Zeiten, weniger Blutverlust und geringeren Reizzuständen im Gelenk. Eine frühzeitige Mobilisation ohne wesentliche muskuläre Defizite bzw. Störung der Propriozeption bringt gleich mehrere Vorteile: weniger Stürze, Thrombosen bzw. Embolien und ein geringeres Krankheitsgefühl.
So verkürzt sich der stationäre Aufenthalt signifikant. Noch verbleibende Defizite können dann in der ambulanten oder stationären Anschlussheilbehandlung effektiv
verbessert werden.

Der Informationsfluss an die nachbehandelnde Einrichtung wird direkt bei Entlassung gewährleistet:
Wir geben dem Patienten alle Röntgenaufnahmen auf CD, den Patientenbrief inklusive aktueller Laborwerte und den Medikamentenplan mit.

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