Muskelverletzungen im Fußball


Bei 30 Prozent aller Verletzungen im Fußball ist die Muskulatur betroffen, was wohl nur noch im American Football übertroffen wird (bis zu 46 Prozent). Muskelverletzungen müssen allerdings nur selten operativ behandelt werden, trotzdem werden sie oftmals unterschätzt. Woran liegt das? Prof. Dr. Roland Biber, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie gibt einen Überblick zu Ursachen, Ausprägung und den Ausfallzeiten.

Welche Muskeln sind beim Fußball am anfälligsten?

Am häufigsten von Verletzungen betroffen sind die ischiakrurale Muskulatur, also der Beinbicepsmuskel, sowie die als Semitendinosus und Semimembranosus bezeichneten Muskeln an der hinteren Oberschenkelinnenseite. Verletzungsanfällig sind aber auch der Quadricepsmuskel (Kniestrecker auf der Oberschenkelvorderseite), die Adduktoren und der Wadenmuskel.

Häufig sind sogenannte zweigelenkige Muskeln betroffen, die wie die Hamstrings über Hüfte und Knie oder wie der Wadenmuskel über Knie und Sprunggelenk hinwegziehen. Diese Muskeln wirken gleichzeitig auf beide Gelenke und können ein Gelenk beugen und das andere strecken. Eine solche zweifache Einwirkung scheint Verletzungen leider zu begünstigen.

Direkte, indirekte, funktionelle und strukturelle Muskelverletzungen

Was steckt dahinter und wie werden sie diagnostiziert?

Grundsätzlich unterscheidet man direkte und indirekte Muskelverletzungen. Bei den direkten liegt eine äußere Krafteinwirkung vor, die zur Prellung oder Quetschung (Kontusion) oder zu einem Einreißen (Lazeration) führt. Diese heilen meist schneller als indirekte Verletzungen, bei denen eben nicht eine äußere Kraft, sondern vielmehr eine funktionelle (Typen 1 und 2) oder strukturelle (Typen 3 und 4) Muskelverletzung vorliegt. Diese Einteilung hat der ehemalige Mannschaftsarzt des FC Bayern München, Dr. Mueller-Wohlfahrt, vielfach in der Praxis erprobt und in der UEFA Injury Study etabliert.

Was heißt nun „funktionell“ und „strukturell“? Bei den funktionellen Muskelverletzungen könnte selbst bei einer Autopsie mit bloßem Auge nichts am Muskel erkannt werden, während bei strukturellen Schäden kleine oder größere Risse erkennbar wären. Natürlich führen Ärzte am lebenden Sportler keine Autopsien durch, aber mittels Ultraschall oder MRT gelingt auch so ein ganz guter Einblick ins Köperinnere.

Typ 1 und 2: Funktionelle Muskelverletzung

Die funktionellen Muskelverletzungen werden in einen Typ 1 (Überlastungsschäden) und einen Typ 2 (neuromuskuläre Verletzungen) unterschieden. Für den Typ 1 sind ermüdete Muskeln prädisponiert, wie diese steifer und unelastischer sind. Hier ist spezielles Training nötig, insbesondere am Saisonbeginn. „Neuromuskulär“ heißt, dass das Zusammenspiel zwischen Nerven und Muskeln nicht richtig funktioniert. Die Ursache kann im Bereich des Spinalnervs liegen, der vom Rückenmark bis zum Muskel zieht und z.B. bei einem Bandscheibenvorfall irritiert sein kann (Typ 2a). Es kann aber auch an der Verbindung des Nervens mit dem Muskel liegen, was dann zu eher krampfartigen Beschwerden führt.

 

Typ 3 und 4: strukturelle Muskelverletzung

Die strukturellen Verletzungen sind Teilrisse (Typ 3) oder komplette Muskelabrisse (Typ 4). Bei den Teilrissen unterscheidet man den Muskelfaserriss (Typ 3a) und den Muskelbündelriss (Typ 3b). Da man Faser und Bündel im Ultraschall nicht sicher unterscheiden kann, hat sich die Einschätzung anhand der Ausdehnung bewährt: Bei unter ca. 5mm Querausdehnung liegt eher ein Faserriss, bei mehr als 5mm ein Bündelriss vor. Die genaue Messung ist aber selbst im MRT schwierig, weil auch die nicht gerissene Muskulatur Wasser einlagert bzw. einbluten kann. Die Unterscheidung zwischen 3a und 3b ist aber schon relevant: Beim Typ 3a beträgt die Ausfallzeit meist 10-14 Tage, beim Typ 3b dagegen 4-6 Wochen. Komplette Muskelrupturen (Typ 4) entstehen oft im Übergang des Muskels zur Sehne, oder es kommt gar zum Sehnenausriss aus dem Knochen („Avulsion“). Hier muss dann häufig operiert werden.

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